Burger Schützen schützen seit 500 Jahren

Wem heute Gewalt angetan wird, ruft nach der Polizei. Was aber war früher? Da galt der Spruch "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott" noch als Aufforderung und wurde nicht nur resginierend dahergesagt. Die Bürger mussten sich selbst schützen, wollten sie nicht marodierenden Banden wie einzelnen "Gangs" oder kleinen Armeen völlig hilflos ausgeliefert sein. Dass sie dabei in guter christlicher Tradition stehen, ist kein Widerspruch. Denn niemals war eine Bürgerwehr auf Angriff ausgerichtet, immer nur auf Verteidigung. Der emotional überschwängliche, aber verbindende Formalismus, das Brauchtum, die Tradition zeigt, wie sehr sich die Menschen zu solchen Schutzgemeinschaften hingezogen fühlten. In Burg an der Wupper seit nunmehr fast 550 Jahren.

 

"Schützenbrüder" ist ein wahrhaft richtiges Wort, denn ursprünglich bezeichneten sich die Vereine als Bruderschaften; und dieses Wort hatte unmittelbar mit Brüderlichkeit im Sinne von Hilfe und Schutz zu tun. Sie pflegten, wie es im Vorwort heißt, "fromme Übungen und Almosengaben" und zum Zeitpunkt des Jubiläums, 1981, sah der Generalpräses Karl Lambertz die Aufgaben der Schützen so:
- Feststehen im Glauben als Stütze unseres mannhaften Lebens
- Sozial Aufgeschlossenheit in christlicher Bruderliebe
- geistig klare Zielsetzung zum Schutz unserer Heimat
- Liebe zu Brauchtum und Schießsport zur Pflege der Gemeinschaft in froher Art.

Mit andern Worten: wer Gutes tut, darf sich selbst gutes tun.

 

ca. DIN A 5, ohne Impressum, 64 Inhaltsseiten, schwarzweiß

Dieses Festbuch galt gleichzeitig als Eintrittskarte zu den Veranstaltungen

 

Das Wichtigste, die Fahne.

Sebastian, Schutzheiliger der Schützen. Tag: 20.1.

Der Legende nach war Sebastian Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers in Rom. Zur Zeit der letzten großen Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian zum Ende des dritten Jahrhunderts wurde er  wegen seines Glaubens angeklagt. Der Kaiser verurteilte ihn zum Tod durch Beschuss mit Pfeilen. So banden die Soldaten Sebastian an einen Baum und vollstreckten das Urteil sodann mit Pfeil und Bogen. Mitchristen banden Sebastian vom Baum und stellten ob seiner zahlreichen Verletzungen erstaunt fest, dass er noch lebte. So pflegten sie ihn innerhalb weniger Tage wieder ganz gesund. Den Rat, zu fliehen lehnte er ab. Furchtlos stellte er sich nach verrichtetem Gebet nun dem Kaiser auf offenem Platz in den Weg und stellte ihn wegen der Christenverfolgungen zur Rede. Diokletian aber lies sich davon nur wenig beeindrucken und befahl seinen Schergen, Sebastian zu Tode zu prügeln. Die römischen Christen verbrachten seine Leiche zu den Katakomben und begruben ihn neben den Aposteln. Ein wichtiges Relikt, seine Hirnschale, ist im Kloster Ebersberg (Bayern) aufbewahrt. In einen silbernen Becher gefasst, trank man daraus früher den Meßwein.

 

Diesen Zeiten trauern auch heute noch manche Burger nach: man war noch Stadt, man war noch wer. Obwohl nur wenige tausend, erlaubte man sich einen Bürgermeister und Stadtdirektor, ein eigenes Rathaus. Und war stolz auf sich, seine Tradition und Sitte, das Grafenstädtchen, wie es sich selbst nannte und seine einmalig schöne Lage.

Bis dann die blöden Politiker kamen und nur aus fiskalischen Gründen meinten, so klein wäre nicht fein und per Verwaltungsakt Burg Solingen zuschanzten, obwohl die Burger, wenn schon annektiert, lieber zu Wermelskirchen gehören wollten. 1975 war das. Im Jahre 514 des Schützenvereins. Wurde zum 500. noch gejubelt, war man bald drauf die Freiheit los. Und ungeschützt den Solingern ausgeliefert.
 

 

 

 

Die wichtigsten Personen, die - so formulierte man es damals immer - "zum Gelingen des Festes beitragen mögen".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinz Rolf

König Hans und Königin Elsbeth

Ohne Kultursponsoring lief noch nie etwas und damals war es üblich, dass die Sponsoren in den Drucksachen (Plakate, Broschüren, Programme) mit Anzeigen vertreten waren, deren Preise einer Spende gleich kamen.

Man könnte ja über die Reklame der Sparkasse lachen, aber sie ist nichts anderes, was heute als "Zielgruppenmarketing" und "fragmentierte Zielgruppe" propagandiert wird. Und hier trifft es im doppelten Sinne zu, was eine gewisse Ironie ergibt. Bliebe mit Schmunzeln anzumerken: Ach neeee, zwei Bergische Sparkassen können es miteinander .... ????

Nicht zum Lachen ist jedoch der Niedergang der einst blühenden Metallindustrie im Bergischen. Auch Rasspe ist nur noch ein Schatten seiner selbst, ist in der Bedeutungslosigkeit versunken.

 

 

Hier langweilige Einfallslosigkeit bei der Annonce der Stadtwerke Solingen, dort ein Hauch von Dallmayer in der für damalige Verhältnisse recht flotten Schürmann-Reklame. Hat aber nichts genutzt, heute gibt es das Unternehmen nicht mehr. Die Stadtwerke schon. Merke: Reklame kann offensichtlich gefährlich sein.

 

Gibt es noch in dieser Form. Nur die Telefonnummer hat sich geändert. Und zur Bachforelle haben sich etliche Schmankerln gesellt.

 

 

Gibt es auch noch in dieser Form.

 

 

 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ...

 

 

So gekleidet schwebten Frau und Herr Mustergültig 1961 korrekt gekleidet der Burg entgegen.
Äääh, leider in die falsche Richtung .... :-)

 

 

Und schließlich: so ganz ist es nicht zu erkennen, ob es sich um die Krönung des Deutschen Kaisers auf Schloss Burg vor 100 Jahren handelt oder die Krönung des Schützenkönigs von Burg vor 50 Jahren. Aber wer will es den wackeren Heimatfreunden schon verdenken: wenn man ein so wunderschön restauriertes Schloss hat mit einem wirklich so prächtigen Rittersaal, dann sollte man die Möglichkeiten auch ausnutzen und dem Jubel keine Schranken setzen.